Vorwort

Professur an der Fakultät für Informatik der Technischen Hochschule Nürnberg, Georg Simon Ohm
Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Bremer, Fakultät für Informatik der Technischen Hochschule Nürnberg, Georg Simon Ohm ist Ihr Arbeitsplatz im Einkauf schon voll digitalisiert? Unterstützen intelligente Roboter Sie bei den täglichen Routineaufgaben, so dass Sie sich schon vollständig auf taktische und strategische Aufgaben konzentrieren können? Nein? Dann sind Sie noch in guter Gesellschaft mit der Mehrheit der Strategischen Einkäufer in Unternehmen. Und doch prägen seit einigen Jahren die Digitalisierung und der Einkauf 4.0 die Diskussion um Einführung und Weiterentwicklung von Einkaufssystemen in den Beschaffungsabteilungen.

Betrachtet man die letzten 10 Jahre, so fällt auf, dass viel Budget und Aufwand in die Digitalisierung der operativen Einkaufsprozesse geflossen ist. Es darf festgehalten werden, dass in der Mehrheit der Unternehmen, beispielsweise im sogenannten Indirekten Einkauf, vormals papierbasierte und unstrukturierte Workflows inzwischen in R2P-Systeme
(Request-to-Pay) überführt worden sind. Es existiert dafür ein breiter Markt unterschiedlicher Anbieter, vom klassischen ERP-Lieferanten bis zu spezialisierten SRM-Anbietern, die zuvor Kataloglösungen für erste e-Procurement-Insellösungen offerierten.

Der naheliegende, nächste Schritt wird nun der Ausbau der taktischen und strategischen Software im Einkauf sein. Das Thema wurde in der jüngeren Zeit keineswegs vernachlässigt. Zweifelsohne wurden mit Ausschreibungstools (e-RfX), Software für Vertragsmanagement oder Portallösungen für Lieferanten in einigen Unternehmen Insellösungen installiert, die auch vereinzelt in bestehende R2P-Systeme eingebunden worden sind. Große Konzerne schreiten dabei schneller voran als der Mittelstand, in dem nach jüngeren Studien noch Nachholbedarf bei der Digitalisierung im Einkauf herrscht.

Durch die Vielzahl und Vielfalt bereits vorhandener Daten in Basissystemen ist es heute deutlich einfacher, verdichtete Informationen abzuleiten, welche für taktisches Einkaufsmanagement benötigt werden. Beispiele sind Umsätze zu Lieferanten, gruppiert nach Material und Region, Top-10-Lieferantenlisten pro Bedarfsträger, usw.

Aber: Extrahieren Sie zum Erhalt dieser Informationen noch manuell oder teilautomatisiert die Daten aus verschiedenen ERP-Systemen oder anderen externen Quellen? Müssen Sie diese für Ihr Materialgruppen- oder Lieferantendossier mit Pivot-Tabellen in Microsoft Excel aufbereiten? Nein? Dann haben Sie vermutlich schon ein Einkaufsdatawarehouse und eine Business Intelligence (BI) Software im Einsatz.

Der amerikanische Autor und Zukunftsforscher John Naisbitt soll sinngemäß den Satz geprägt haben: „Wir ertrinken in Daten und hungern nach Wissen“. Wird uns die Künstliche Intelligenz unterstützen können, aus den Bergen von Daten (Big Data) das Wissen abzuleiten, das wir für die richtigen, passenden Einkaufsmaßnahmen benötigen? Vieles spricht dafür, auch wenn wir uns heute erst relativ am Anfang einer technischen Entwicklung befinden. Die Wissenschaft beschäftigt sich schon seit über 50 Jahren damit, die menschliche Intelligenz im Computer zu imitieren. Schon zu dieser Zeit konnte bspw. Eliza, einer der ersten Chatbots, auf Basis einfacher Algorithmen mit Menschen kommunizieren. Was wir derzeit am Markt erleben, ist eine Beschleunigung der Entwicklung und eine größere Verbreitung seit langer Zeit bestehender Themen. Gerade das Vorhandensein von Big Data und die Verbilligung von IT-Systemen ermöglichen es, Künstliche Intelligenz und Software-Roboter aus den Hochleistungsrechenzentren der Hochschulen hinein zu den Anwendern zu bringen.

Es wird mittelfristig in der breiten Masse nicht dazu kommen, zahlreiche Aufgaben im Einkauf vollständig durch BI-Systeme und Software-Roboter zu ersetzen. Zunehmend können Systeme aber mehr oder minder eigenständig wiederkehrende Routineaufgaben erledigen oder Vorschläge unterbreiten. Dazu gehören das Identifizieren von Trends in Datenreihen und der Vorschlag zur Verstärkung positiver Trends oder das Ergreifen von Gegenmaßnahmen.

Es ist an der Zeit, sich mit der Technologie auseinanderzusetzen. Ein Prototyp, auch oft Speedboat genannt, kann hilfreich sein, das Thema für Einkauf und Beschaffung zu erlernen und auszuloten, für welche Aufgaben und Anwendungsbereiche im taktischen und Strategischen Einkauf die ersten Software-Roboter für Sie tätig werden sollen. So können Sie auch herausfinden, welche Aspekte der Wissensgenerierung Sie künftig der Maschine überlassen wollen und wo Sie sich doch lieber auf die menschlichen Ressourcen verlassen. Die nachfolgenden Beiträge und Impulse sind sicher eine wertvolle Hilfe dazu.

Ihr Wolfgang Bremer

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