TOP 10 Themen 2015/2016 im Vergleich

Auf den ersten 10 Plätzen finden wir in diesem Jahr wieder Nennungen aus ganz unterschiedlichen Themenkomplexen. Wir haben daher in dieser aktuellen Ausgabe der Studie, wie bereits im Vorwort von Dr. Dittrich erwähnt, zur einfacheren Einordnung eine Strukturierung vorgenommen, die Sie auf der folgenden Seite sehen.

In der Auflistung oben ist zu sehen, dass die Nennungen von 4 Themen insgesamt zwischen 5 und 8 % abgenommen haben, aber trotzdem noch die Plätze 3 bis 7 im Ranking einnehmen.

Die Themen auf den Plätzen 1 bis 3 haben deutlich zugelegt, während Platz 8 aktuell nahezu gleichgeblieben ist.
In die Top-Themen haben es aber auf Anhieb auch zwei neue Fragestellungen geschafft, zu denen es natürlich noch keinen Vorjahresvergleich gibt.

Bitte vergleichen Sie unsere Interpretationen auf den folgenden Seiten auch immer mit Ihren eigenen Erfahrungen, die dann auch in die Kommentierung der folgenden Ausgaben eingehen können. Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen unter der Mailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem Stichwort „Studie Big Data Analytics im strategischen Einkauf“.

Gesamtauswertung

Im Folgenden sehen Sie die Gesamtauswertung aller Agenda-Punkte. Die Top 10 Nennungen sind in Orange darstellt und nach Themengebieten gegliedert. Innerhalb der Themen ist die Rangfolge dann absteigend sortiert.

Die Zahlen in den orangenen Balken entsprechen der Gewichtung innerhalb der Top 10.
Insgesamt sieht man deutlich, dass das Thema Transparenz dominiert, gefolgt vom Wertbeitrag des Einkaufs und den Maßnahmen / Initiativen.

Die gezeigten Werte sind Prozentwerte. Wenn alle Teilnehmer einen Agenda-Punkt mit „sehr wichtig“ bewerten, dann hat dieser die Wertung 100%.

Interessanterweise ist in diesem Jahr eine deutliche Verschiebung der Prioritäten unter den Top 10 Nennungen erkennbar.

Transparenz

Das Thema Datentransparenz erlebt eine Renaissance und steht wieder ganz oben bei den Nennungen. Jedoch scheint es inzwischen weniger die Datenqualität (-5%) zu sein, an der es mangelt, sondern vielmehr die Möglichkeit auf Basis der vorhandenen Daten mehr Transparenz (+5%) zu schaffen. Gewichtet ist die Transparenz daher mit Platz 1 auf der Rangliste. Das deckt sich mit dem, was wir in Gesprächen mit Entscheidern im Einkauf hören. Das normale Standard-Reporting, das ja in aller Regel ein Blick in den Rückspiegel ist, genügt vielen nicht mehr. Viel interessanter sind tagesaktuelle, analytische Adhoc-Reports, die im besten Fall noch mit Vorschlägen oder Handlungsanweisungen versehen sind. Das zeigt auch Platz 2 auf der Rangliste, die Früherkennung von Problemen (+6%).

Mehr darüber, wo es scheinbar heute im Reporting „klemmt“, lesen Sie unter der Überschrift „Reporting“. Wie heute zeitgemäß „redaktionell und analytisch“ berichtet wird, lesen Sie in unserem Exkurs „Reporting zeitgemäß“ auf den Folgeseiten.

Reporting

Tatsächlich wird dem Reporting deutlich weniger Bedeutung beigemessen, als im Vorjahr. Das deutet vielleicht auf das eine oder andere Frusterlebnis mit dem Standard-Reporting hin und nicht darauf, dass alles schon „wie geschmiert“ läuft. Wie kommen wir zu dieser Interpretation. Schauen Sie sich einmal den Eintrag Reporting automatisieren an. Das war ein neuer Bewertungspunkt in unserer aktuellen Studie, weshalb es noch keinen Vorjahresvergleich gibt. Immerhin hat es dieses Thema im ersten Anlauf auf Platz 10 von 28, also knapp unter die Top 10 Themen geschafft. Wir alle wissen, wie aufwändig in vielen Unternehmen das Reporting noch jeden Monat manuell zusammengestellt wird. Die Verantwortlichen haben tatsächlich oft gar nicht mehr die Zeit, sich um die Interpretation der Daten zu kümmern. Die Befragten haben mit 62% hier ein deutliches Statement in Richtung Automation abgegeben.

(Predictive) Analytics

Das Wort „Predictive“ steht für „voraussagend“ oder etwas poetischer für „prophetisch“. Dass das heute nichts mehr mit dem „Blick in die Glaskugel“ zu tun hat, liegt an modernen Verfahren, wie der Analysekettentechnik und methodengetriebener Datenanalyse. Mehr dazu in unserem Exkurs mit der Überschrift „Learning by doing – oder - wie moderne Systeme den Blick auf die Daten schärfen“. Trotz einer gesunkenen Nennung ist das Thema Kostentreiber erkennen (-6%) weiterhin hochaktuell. Es teilt sich Platz 5 und 6 mit dem Wertbeitrag des Einkaufs. Deutlich zugelegt hat allerdings das Thema Einsparungen genauer messen (+7%). Das Wort „genauer“ betont, worauf es den Befragten ankommt. Einsparpotenziale sollen „ausgeschöpft“ werden, was bei den Einkaufsvolumina mancher Unternehmen nicht verwundert. Das wird durch den Wunsch bestehende Kennzahlen zu verbessern (+2%) noch unterstrichen.

Prozesse

Nicht mehr so stark im Fokus scheinen die Prozesse zu stehen. Auch hier wieder die ketzerische Frage: „Na, alles im Griff?“ Wir wagen das zu bezweifeln, beschäftigt sich doch eine Arbeitsgruppe, bestehend aus hochrangigen Vertretern namhafter Unternehmen im Verband BME gerade damit, einen Praxisleitfaden „Prozesse und Systeme im Einkauf“ zu erarbeiten, der im November 2016 erscheinen soll. Darin wird zwischen Kernprozessen und Unterstützungsprozessen unterschieden.

Das Überwachen von Risiken (-6%) ist in Verbindung mit Compliance (-3%) dennoch auf dem Schirm des Einkaufs, scheint aber in vielen Unternehmen tatsächlich schon zur Pflichtübung und damit zu den Basisprozessen zu gehören.

Die Neunennung Fachwissen & Kompetenzen aufbauen hat es in dieser aktuellen Studie immerhin spontan von 0 auf 52% geschafft. Nicht in die Top 10, aber immerhin. Lesen Sie auch hierzu den Exkurs „Nichts hilft besser gegen Politik, als klare Fakten“, in dem es auch um die erfolgsorientierte Zusammensetzung von Teams geht. Mehr zu Prozessen im Einkauf lesen Sie unter dem Artikel „Das muss laufen - Prozesse im Einkauf“.

Strategie

Ja, die Strategie …

Verrückt genug, aber in vielen Fällen wird die Einführung eines strategischen Einkaufs geplant „… wenn wir alles Andere im Griff haben …“. Die Strategie folgt dem Tagesgeschäft. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Sollte nicht die Strategie die Basis allen Handelns sein? Sicher werden Sie dem beipflichten, aber wahrscheinlich ins Feld führen, dass man ja erst einmal Transparenz und „Wissen“ über den Einkauf haben muss, bevor man eine Strategie entwickeln kann. Wie aber lässt sich dieser „Gordische Knoten“ lösen?

An dieser Stelle kommen erfahrene Berater ins Spiel, denn „Wissen“ ist ja bekanntermaßen die Kombination aus Information und Erfahrung. Diese haben gute und auf den Einkauf spezialisierte Berater alleine schon aufgrund der Vielzahl von Projekten in unterschiedlichsten Unternehmen. Wichtig ist aber auch der Teambildungs-Prozess im eigenen Unternehmen. Mit Blick auf die Führung und die „Ein“-führung eines strategischen Einkaufs kommt der Zusammensetzung des Teams und der Art des Vorgehens eine besondere Bedeutung zu. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Exkurs „Nichts hilft besser gegen Politik, als klare Fakten“. Doch zurück zur Studie. Alle drei Nennungen haben im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Interesse verloren. Dennoch teilt sich das Ziel klare Einkaufsstrategien festzulegen (-8%) mit insgesamt 71% noch Platz 3 und 4 im Ranking der Top 10 Nennungen mit der Betrachtung der Gesamtkosten (TCO).

Kann man den Rückgang des Interesses mit einer gewissen Resignation interpretieren? Gespräche mit CPO´s legen das nahe.

Unser Tipp: Bleiben Sie dran, es lohnt sich. (Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Ein Strategie-Tool führt nicht, es leitet an“ Seite 52-53)

Wertbeitrag

Der Wertbeitrag des Einkaufs ist immer wieder eine spannende Themengruppe, liegt darin doch die „Daseinsberechtigung“ des Einkaufs. Dass es hier dennoch drei Nennungen gibt, die seit der letzten Studie an Bedeutung verloren haben, mag damit zusammenhängen, dass sich inzwischen „herumgesprochen“ hat, welche Bedeutung einem strategisch geführten Einkauf zukommt. Man muss seine Position nicht mehr so vehement verteidigen, wie in den Jahren davor.

Dass trotzdem noch viel zu tun ist, belegt die Tatsache, dass immerhin zwei Top 10 Themen auf den vorderen Plätzen unter dem Wertbeitrag des Einkaufs genannt sind.

Deutlich wird aber auch die immer enger verzahnte Zusammenarbeit mit Finance, was sich in der Bewertung der Gesamtkostenbetrachtung (TCO) (+6%) niederschlägt.

Ist doch der Einkauf in den meisten Fällen direkt unter dem CFO aufgehängt. Da ist „Augenhöhe“ zwischen CFO und CPO notwendig. Der CFO ist es seit jeher gewohnt nach den Monatsabschlüssen valide und detaillierte Zahlen zu erhalten. Die konnte (leider muss man häufig noch sagen „kann“) der Einkauf oft nicht liefern. Hat man das bei den Directs noch leidlich im Griff, muss man bei den Indirects oft noch von einem „Datensumpf“ sprechen. Hier sei nur das immer wieder zurecht als Entschuldigung gebrauchte „Maverick-Buying“ genannt. Erst wenn dieser „Sumpf trockengelegt“ ist, kommt der CPO auf Augenhöhe. Immer öfter berichtet der Einkauf inzwischen auch an den COO, was oft noch einen weiteren Blickwinkel für die Aufbereitung der Daten erfordert.

Lesen Sie, welchen Wertbeitrag der moderne Einkauf heute leisten kann unter der ironisch gemeinten Überschrift „Den Wertbeitrag messbar machen – der Einkauf als „Beitragszahler“ weiter hinten in dieser Studie.

Maßnahmen

Und damit sind wir auch schon bei der letzten Rubrik, den Maßnahmen oder auch Initiativen im Einkauf angelangt. Diese Projekte sind die Butter auf dem Brot des Einkaufs. Da werden im besten Fall die „Ärmel hochgekrempelt“ und die wahren Siege errungen. Das wird auch deutlich an der Vielzahl der genannten Punkte. Hervorstechend sind die beiden Nennungen mit der positiven Abweichung zum Vorjahr.

Beginnen wir mit den beiden Punkten mit Lieferanten kooperieren (+1%) und Make or Buy-Entscheidungen unterstützen (+7%). Erkennen Sie den Zusammenhang? Hier zeigt sich deutlich der Wunsch des Einkaufs das Geschäft mitzugestalten. Das passt exakt zur Vorstudie, die das Fraunhofer Institut gemeinsam mit dem BME im Mai unter dem Titel „Einkauf 4.0“ vorgestellt hat.

Sie können diese Studie kostenlos von der Orpheus Webseite unter dem Link: http://www.orpheus-it.com/de/knowhow/studie-digitalisierung-des-einkaufs-2016 herunterladen.

Darin wird deutlich, welche Rolle der Einkauf im Unternehmen spielen kann. Mit Lieferanten eng zu kooperieren setzt natürlich einen vertrauensvollen Umgang miteinander voraus. Auch die Bedeutung des Lieferanten und dessen Historie ist dabei ein wichtiger Faktor. Damit sind wir wieder bei analytischen Systemen, die genau diese Fragestellungen bis hin zu Materialpreisveränderungen über die Zeit beantworten. Arbeitet uns ein Lieferant mit seinem Knowhow in der Entwicklung zu, sind wir auch schon bei der Make or Buy Fragestellung. Dazu kann der Einkauf durch gute Recherche und Simulation einen wichtigen Beitrag leisten.

Alle genannten Fragestellungen im Maßnahmenblock haben jedoch eines gemeinsam. Ihr Status muss jederzeit über sogenannte Härtegrade einsehbar sein, ihr Erfolg oder Misserfolg muss gemessen werden, damit die Lernkurve steigt. Der Verantwortliche muss jederzeit „im Bilde“ über alle unter seiner Verantwortung laufenden Initiativen sein. Keine leichte Aufgabe bei großen Einkaufsorganisationen mit vielen dezentralen Einheiten. Wie man es gut machen kann, lesen Sie in unserem Artikel „Always on Track – Initiative Tracking leicht gemacht“.

Doch bevor es zu den Artikeln, Exkursen, Praxisanleitungen, Erfahrungsberichten und Statements von projekterfahrenen Menschen geht, lassen Sie uns die Ergebnisse der Studie noch einmal unter verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.

Studie 2016: Big Data Analytics im strategischen Einkauf.

Sie haben Fragen oder Anregungen zur Orpheus Studie "Big Data Analytics im strategischen Einkauf"? Gerne diskutieren wir mit Ihnen die Ergebnisse der Studie und die Schlußfolgerungen und Ziele, die sich aus den gewonnenen Erkenntnissen ergeben.