Die Kennzahl Materialpreisveränderung (MPV) zur Messung von Einsparungen durch Substitutionen

Die Kennzahl Materialpreisveränderung (MPV) zur Messung von Einsparungen durch Substitutionen

Die MPV als weit verbreitete Kennzahl zur Messung von historischen Einsparungen - Für die Berechnung und Messung von historischen Einsparungen (Savings) im Einkauf ist die so genannte Materialpreisveränderung (MPV) eine inzwischen übliche Standard-Kennzahl. Sie setzt voraus, dass es eine valide und fehlerfreie Preishistorie gibt und dass Mengeninformationen vorhanden sind.




Die Standard-Variante der MPV berechnet eine historische Einsparung, indem sie die Differenz aus einem früheren („alten“) Preis-Durchschnitt (z.B. Durchschnittspreis (Ø Preis) des letzten Fiskaljahres) und dem aktuellen („neuen“) Durchschnittspreis für ein Material berechnet und mit der aktuellen Menge gewichtet:

MPVstandard = (Ø Preis alt – Ø Preis neu) * (Menge neu)
  • - MPV: Materialpreisveränderung - Szenario 1
  • - Ø Preis: Durchschnittlicher Materialpreis
  • - Mengeneu: Aktuell in der Periode verwendete Menge

Bei Substitutionen führt die Standard-MPV-Berechnung zu fachlich falschen Werten

Diese Standard-Formel lässt sich immer dann problemlos anwenden, wenn sich die Einsatzmengen nicht verändern (siehe Szenario 1). Nimmt man jedoch bestimmte Arten von Substitutionen vor, so kann es sein, dass sich diese Einsatzmengen ändern. Die Szenarien 2 und 3 zeigen dazu Beispiele:

In Szenario 2 ersetzt man beispielsweise ein bestehendes Material durch eines, das zwar um 30% teurer pro Einheit ist, jedoch eine um 50% geringere Einsatzmenge bedingt. In Szenario 3 ist der umgekehrte Fall dargestellt.

Eine modifizierte MPV-Variante ersetzt im Falle von Substitutionen die bisherige MPV-Standard-Kennzahl

In beiden Fällen hätte man mit der Standard MPV-Berechnung das Problem, dass die Savings betriebswirtschaftlich falsch berechnet werden. Aus diesem Grund schlägt Orpheus eine modifizierte MPV-Variante vor, die den Besonderheiten der Substitutions-Szenarien 2 und 3 Rechnung trägt. Die Substitutions-Variante 1 kann wie oben beschrieben weiterhin mit der Standard-MPV-Formel rechnen.

Im praktischen Einsatz schlagen wir vor, die bisherige Standard-MPV komplett durch die modifizierte Variante der Substitutions-MPV zu ersetzen. Falls keine Substitution vorliegen sollte, so ist im Standard-Fall der Produktivitäts-Faktors ProdFak einfach mit 1 vorzubelegen.

Einsatzszenarien für die Kennzahl Materialpreisveränderung


Szenario 1:

Ersetze Material A im gleichen Mengenverhältnis (1:1) durch ein preislich günstigereres Material B
Substitution: Einsatzmenge (bleibt konstant) → Preis (sinkt)

Beispiel für eine Savings-Berechnung im Falle von Szenario 1:

MPV Fallbeispiel Szenario 1

Szenario 2:

Ersetze Material A durch ein Material B. Die Einsatz-Menge von Material B ist geringer als von Material A aufgrund veränderter Spezifikation. Dafür erhöht sich der Preis pro Einheit (UoM) von Material B gegenüber Material A.
Substitution: Einsatzmenge (sinkt) → Preis (steigt)

Beispiel für eine Savings-Berechnung im Falle von Szenario 2:

MPV Fallbeispiel Szenario 2

Szenario 3:

Ersetze Material A durch ein Material B. Die benötigte Einsatz-Menge von Material B ist höher als von Material A aufgrund veränderter Spezifikation. Dafür verringert sich der Preis pro Einheit (UoM) von Material B gegenüber Material A.
Substitution: Einsatzmenge (steigt) → Preis (sinkt)

Beispiel für eine Savings-Berechnung im Falle von Szenario 3:

MPV Fallbeispiel Szenario 3

Berechnung der modifizierten MPV-Kennzahl im Falle von Substitutionen

Der Berechnungsansatz für eine Materialpreisveränderungs-KPI bei Substitutionen der Typen 2 und 3 ergibt sich folgendermaßen:

  • Berechnung bzw. Vorgabe eines Produktivitäts-Faktors ProdFak
    ProdFak =
    Normierte Einsatz-Menge EPneu
    Normierte Einsatz-Menge EPalt
  • Der Produktivitäts-Faktors ProdFak kann als „globaler Faktor“ gepflegt werden oder (besser) als Initiativen-abhängiger Faktor in den Maßnahmen des InitiativeTrackers. Im letzten Fall bezieht er sich auf den in einer Maßnahme definierten „Initiativen-Scope“ (z.B. gilt er dort nur für bestimmte Werke, Lieferanten oder Materialien).
  • Für die Szenariotypen 2 und 3 wird eine modifizierte MPV-Berechnung genutzt. Die MPV-Werte der modifizierten Variante sind mit denen der Standard-Variante addierbar. Die modifizierte MPV-Substitutions-Savings-Formel lautet:
    MPVmodifiziert = (Ø Preisalt – (Ø Preisneu * ProdFak)) * (Mengeneu * 1/ProdFak)
    • - MPV: Materialpreisveränderung - Szenario 2, 3
    • - Ø Preis: Durchschnittlicher Materialpreis
    • - Mengeneu: Aktuell in der Periode verwendete Menge
    MPVstandard = (Ø Preisalt – Ø Preisneu) * (Mengeneu)
    • - MPV: Materialpreisveränderung - Szenario 1
    • - Ø Preis: Durchschnittlicher Materialpreis
    • - Mengeneu: Aktuell in der Periode verwendete Menge
  • Um die für Substitutions-Savings modifizierte MPV-Kennzahl für Einsparungs-Planungen und –Analysen nutzen zu können, gilt es den Produktivitätsfaktor ProdFak zusammen mit der Information über die Verknüpfung von Vorgänger- und Nachfolger-Material aus der Tracker-Initiative an SpendControl zu übergeben. In SpendControl erfolgt dann die Berechnung der MPV-Kennzahl (MPVSzenario(2,3)) auf Basis von realen Ist-Werten.

Weitere Berechnungsbeispiele und Vergleich der beiden Kennzahl-Varianten

Zusammenfassend folgen noch einmal drei Berechnungsbeispiele, welche die klassische „Standard“ MPV und die modifizierte Substitutions-MPV gegenüber stellen.

Wichtigstes Fazit ist, dass in der Praxis die modifizierte Variante die Standard-MPV vollständig ersetzen kann, indem man für Standard-Szenarien den Produktivitätsfaktor einfach mit „1“ vorbelegt. Alternativ lassen sich natürlich auch beide MPV-Formel-Varianten parallel einsetzen, da beide Ergebniswerte problemlos addierbar sind. Auf diese Art und Weise bleibt sichergestellt, dass ein Unternehmen alle seine historischen Einsparungen in einer Summe ausweisen kann, unabhängig davon ob man nun in der Savings-Maßnahmen eine Substitution vorgenommen hat oder nicht.

Standard-Szenario 1
(Preis sinkt z.B. durch Lieferantenwechsel oder Neuverhandlung)
Mat Aalt Mat Nneu ProdFak Savings
Savings MPV modifiziert:3 500,00
Savings MPV standard:1, 4 500,00
Einsatzmenge: 1,00 1,00 1,00
Preis/UoM: 2,00 1,50
Bezugsmenge bei gleichbleibender Produktion: 1.000,00 1.000,00
Spend: 2.000,00 1.500,00
Standard-Szenario 2
(durch Substitution sinkt die Einsatz-Menge bei steigendem Preis/Einheit)
Mat Aalt Mat Nneu ProdFak Savings
Savings MPV modifiziert:3 245 Tsd.
Savings MPV standard:2, 4 -105 Tsd.
Einsatzmenge: 2,00 1,00 0,50
Preis/UoM: 1,00 1,30
Bezugsmenge bei gleichbleibender Produktion: 700 Tsd. 350 Tsd.
Spend: 700 Tsd. 455 Tsd.
Standard-Szenario 3
(durch Substitution erhöht sich die Einsatz-Menge bei sinkendem Preis/Einheit)
Mat Aalt Mat Nneu ProdFak Savings
Savings MPV modifiziert:3 1.000,00
Savings MPV standard:2, 4 2.666,67
Einsatzmenge: 3,00 4,00 1,33
Preis/UoM: 1,00 0,60
Bezugsmenge bei gleichbleibender Produktion: 5.000,00 6.666,67
Spend: 5.000,00 4.000,00
  • 1 durch Konsolidierung der Materialien; Einsatzmenge ist in deisem Szenario irrelevant
  • 2 durch Konsolidierung der Materialien, keine Berücksichtigung der Einsatzmenge
  • 3 MPVSzenario(2,3) = (Ø Preisalt – (Ø Preisneu * ProdFak)) * (Mengeneu * 1/ProdFak)
  • 4 MPVSzenario(1) = (Ø Preisalt – Ø Preisneu) * (Mengeneu)
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