Studie 2016 'Big Data Analytics im  Strategischen Einkauf'

Materialpreisveränderung (MPV) berechnen & analysieren - 6 Grundregeln

Die Materialpreisveränderung - manchmal auch als Materialkostenveränderung (MKV) bezeichnet – ist für Einkaufscontroller eine der wichtigsten Kennzahlen. Wichtig deshalb, da sie eine zentrale Maßzahl für den GuV-relevanten Erfolg des Einkaufs ist. Sie setzt den aktuellen Preis für ein Material mit einem Referenzpreis (z. B. Durchschnitt des Vorjahres) in Relation und gewichtet die Differenz mit der aktuell eingekauften Menge...

Nur scheinbar trivial

So einfach wie es scheint, ist aber weder die Berechnung der MPV-Kennzahl noch ihre analytische Nutzung. Sowohl ihre Kalkulationslogik als auch bestimmte Vorüberlegungen wollen sehr genau definiert sein.

6 Regeln zur MPV-Berechnung und -Analyse

1. Analysieren heißt Vergleichen

Die Kennzahl MKV gibt die Mehr- bzw. Minderausgaben durch die reine Preisveränderung zum Referenzpreis wieder. Mengenveränderungen werden dabei nicht berücksichtigt. Rückschlüsse auf Trends und Ursachen sowie wertvolle Steuerungshinweise erhält man dann, wenn die Kennzahl zu anderen Werten (z. B. dem Beschaffungsvolumen, Mengenveränderungen und deren Trends) in Relation gesetzt wird (siehe das Beispiel in Abbildung 1 und 2).

2. Währungseffekte nicht vergessen

Ohne Ausweis der Währungseffekte wird die Aussage der MPV verzerrt – es sei denn, das Unternehmen arbeitet nur in einer Währung. In vielen Fällen macht der Währungseffekt 30% bis 80% der gesamten Abweichung aus. Durch Währungskursschwankungen kann z. B. ein niedrigerer Preis in US-Dollar zu einem höheren Preis in Euro führen und damit das Vorzeichen der MKV umkehren.

3. Ohne Preishistorie geht's nicht

Die MPV benötigt zu ihrer Berechnung Vorperiodenpreise. Existieren für ein Material keine Preise in der Vorperiode, so lässt sich die Kennzahl nicht direkt berechnen. Natürlich gibt es auch hier Mittel und Wege, das Problem zu umgehen. Wenn keine historischen Preise vorhanden sind, so lassen sich diese entweder über Vorgabewerte (Planpreis, Budgetpreis) erstellen oder durch eine „künstliche“ Preishistorie über Methoden des Cluster-Managements erzeugen.

4. Nur harmonisierte Incoterms erlauben Vergleiche

Eine wichtige und oft kaum beachtete Regel besagt, dass man die MPV für zwei Materialien bzw. von zwei Lieferanten nur dann vergleichen kann, wenn die gleichen Incoterms zugrunde liegen. Hier gilt im Prinzip das Gleiche wie beim Währungseffekt: Ohne eine harmonisierte Berücksichtigung etwaiger Frachtkosten ist der analytische Nutzen der MPV erheblich eingeschränkt.

5. Welchen Referenzpunkt hätten Sie denn gerne?

Eine Materialpreisabweichung benötigt als wichtigsten Parameter den Referenzpunkt, gegen den die Abweichung gemessen wird. Hier sind viele verschiedene Spielarten denkbar:

  • der Durchschnittspreis des Vorjahres
  • der Durchschnittspreis des letzten Monats des Vorjahres
  • der letzte Preis des Vorjahres
  • ein Planpreis oder Budgetpreis
  • u. v. a. m.
Grundsätzlich gilt, dass man die MPV einheitlich berechnen und verschiedene Referenzpunkte nicht mischen sollte.

6. MPV-Berechnung …aber bitte dynamisch

Die MPV berechnet man für jedes Material über alle Lieferanten hinweg. Man kann aber auch eine Lieferanten-spezifische MPV ausweisen, wenn es die Datenlage erlaubt. Wichtig ist, die Währungseffekte ebenfalls auf Basis des Einzelmaterials zu berechnen, da sie sich nur dann auch auf beliebigen höheren Ebenen (z. B. auf Ebene der Warengruppe) aggregieren und ausweisen lassen. Wenn man ein modernes OLAP-System verwendet, kann man die MPV zur Laufzeit berechnen und über beliebige Dimensionskombinationen analysieren, was mit vorberechneten MKV-Werten naturgemäß nur im Rahmen der vorher vorgenommenen Dimensions-Einschränkungen möglich ist.

Beispiel

Material-Preis-Veränderung als Kennzahlen in der Beschaffung Abbildung 1: Analysebeispiel für eine Materialpreisveränderung

Abbildung 1 zeigt ein einfaches Beispiel wie man die Regeln 1 und 3 in einer Auswertung umsetzen kann. Die MPV ist für die meisten Teile positiv, d. h. die Preise je Mengeneinheit sind gestiegen statt gefallen (dargestellt durch rote Balken).

Nur ein einziges Teil weist eine negative MPV von 7.871 € aus, zu erkennen am großen blauen MPV-Balken. Nur bei diesem Material wurde das Ziel einer echten Einsparung erreicht!

Links neben der MPV-Spalte ist das Beschaffungsvolumen (Spend) aufgeführt, sodass man die MPV-Einsparung immer in Relation zum Spend sehen kann. Durch die so genannten Sparklines lässt sich die aktuelle MPV zudem auch zeitlich mit den Vorperiodenwerten vergleichen und damit einordnen.

Man bekommt damit sehr schnell „ein Gefühl“ dafür, ob der MPV-Wert der aktuellen Periode eher hoch oder gering ist und ob sich eine klare Trendrichtung bezüglich der Beschaffung dieses Materials herausbildet.

In den beiden Spalten rechts neben der MPV sind die Mengen- und Preisentwicklungen ebenfalls mittels Sparklines dargestellt. So lassen sich Korrelationen zwischen Mengen und Preisen optisch einfach analysieren.



Kennzahlen Beschaffung: MPV berechnen Abbildung 2: Kommentierung des Analysebeispiels
Geschäftsführer - Orpheus GmbH
Dr. Jörg Dittrich
Geschäftsführer Orpheus GmbH
 
"Der indirekte Einkauf hat ganz besondere Anforderungen an das Beschaffungscontrolling bzw. Einkaufsreporting."

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